Hofladen: regional, günstig, fair

Vor einem Jahr dachte ich, Hofläden seien das Nonplusultra für nachhaltigen Konsum. Ich hatte keinen Plan, welche regionalen Produkte die Bauern dort verkaufen. Was aber die größte Wissenslücke war. Ich wusste nicht, warum Hofladen-Produkte den bewussten Konsum fördern.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass Hofläden ungefähr so weit verbreitet sind wie Einhörner in der U-Bahn. Heute weiß ich, warum Lebensmittel aus dem Hofladen viel mit Fairness zu tun haben. Und warum Hofladen-Produkte erste Wahl für eine nachhaltige, gesunde Ernährung sind.

Zahl der Hofläden in Deutschland steigt

Wie viele Hofläden gibt es eigentlich in Deutschland? Ein präzise Zahl habe ich bei meiner Recherche nicht herausgefunden. Aber es werden vermutlich von Jahr zu Jahr mehr. 2010 hat eine Zählung des Naturkosthandels 300 Bio-Betriebe in Deutschland mit Hofläden ermittelt.

Das schien mir niedrig und auch nicht sehr aktuell, deshalb bohrte ich weiter. Eine neuere Erhebung aus dem Jahr 2019 zählt fast 3000 Hofläden, wobei 50 % in den flächenmäßig größten Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen liegen.

Hoch leveln zum Best Friend of Hofläden

Mehr Hofläden sind erst einmal eine gute Sache, wären da nicht die eingeschränkten Öffnungszeiten. Möchte ich mich am Wochenende morgens wirklich zum Bauernhof schleppen? Ich weiß nicht, wie es dir da geht.

Der nächstgelegene Hofladen in meiner Nähe öffnet samstags um 8 Uhr. Und um 10 Uhr schließt der Landwirt den Verkaufsraum. Doch zum Glück stehen Automaten mit frischem Salat vor dem Verkaufsraum. Ich habe direkt ein Foto davon gemacht.

Automat vor einem Hofladen mit frischem Gemüse
Es gibt Hofläden mit Automaten, die 24/7 zugänglich sind.

Letzte Woche kam Jojo mit Malte bei mir vorbei. Malte, kaum durch die Tür, steckt mir völlig unvermittelt mit einem breiten Grinsen: „Seit letztens, werfe ich deutlich weniger Lebensmittel weg und spare ’ne Menge Geld! Jetzt hab ich Spendierhosen an. Lust auf ’ne heiße Schokolade?“

Beim gemeinsamen Heißgetränk erzählte ich Malte, dass ich seit ein paar Monaten häufiger zu regionalen Produkten greife und dadurch mehr im Portemonnaie habe. Und das, ohne zu einem Hofladen zu fahren. Da hing Malte mir sofort an den Lippen. Das war schon lustig anzusehen.

Am Ende unseres Gesprächs kratzte er sich wie ein Bergtroll am Kopf und fragte: „Ist der Kauf regionaler Produkte denn wirklich so einfach?“ Aber eigentlich hatte er die Frage schon längst für sich beantwortet und überlegte, wie er das für sich umsetzen kann.

Was Malte kann, kannst du schon lange. Ich zeig dir, welche Alternativen es zum Hofladen gibt. Wenn du die ersten Schritte gemacht hast und weißt, was regionale Produkte besser können, dann levelst du dich im nächsten Schritt einfach zum „Best Friend of Hofläden“ hoch. Doch zunächst erzähl ich dir, warum regionale Produkte gesünder und oft auch nachhaltiger sind.

Regionale Produkte: Besserer Geschmack durch kurze Transportwege

Regionale pflanzliche Produkte, egal ob aus dem Hofladen oder aus dem Supermarkt, haben eine Besonderheit. Ich kann mich bereits Monate vor dem Verkauf auf Spargel & Co. freuen, weil Regionales in der Regel nur saisonal verfügbar ist. Außerdem schmeckt es mir einfach besser, wenn es frisch vom Erzeuger kommt. Es geht mir dabei vor allem um Wertschätzung und Geschmack.

Das Besondere der regionalen Produkte sind die kurzen Transportwege. Das macht sie nicht nur günstiger und fairer, sondern streichelt auch das ökologische Gewissen. Doch sind die Produkte deshalb auch leckerer? Das versuche ich an folgendem Beispiel zu erklären und nehme mir einen echten Klassiker vor. Die Banane. Bestimmt kennst du die Geschichte ihres täglichen Schicksals.

Auf einer Bananenplantage in Uganda werden Bananen mit einem Motorrad transportiert.
Bananen verlassen die Plantage im unreifen Zustand, damit sie auf dem Transportweg ausreifen können und nicht schlecht werden.

Die Banane wird geerntet, bevor sie ausgereift ist. Auf diese Weise kann sie auf dem Weg nach Europa nachreifen und wird nicht schlecht. Eigentlich eine gute Sache. Aber. Bananen reifen in Kisten auf Kühlschiffen ohne Licht und Bodennährstoffe nach. Dadurch verlieren sie an Geschmack und haben weniger Nährstoffe als die Bananen, die auf der Plantage ausreifen.

Produkte regionaler Erzeuger: Besser für das Klima?

Aber sind unsere regionalen Produkte durch kürzere Transportwege auch besser für das Klima? Ich habe den Faktencheck gemacht und mir die ökologischen Fußabdrücke von Lebensmitteln genauer angesehen. Dafür verwende ich Zahlen des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg aus den Jahr 2019 und danke an dieser Stelle den Autoren für ihre großartige Arbeit.

Die Wissenschaftler haben untersucht, wieviel CO2-Äquivalent pro Kilogramm eines Lebensmittels bzw. eines fertigen Gerichts anfallen. Zusätzlich wurde in der Studie berechnet, wie viel natürliche Ressourcen die Lebensmittel benötigen. Hierfür zogen die Autoren den Phosphat-, Flächen- Wasser- und Energiebedarf einzelner Lebensmittel heran und berücksichtigten regionale Wasserknappheiten.

Bevor wir uns die wichtigsten Ergebnisse anschauen, verfrühstücke ich noch einen Aspekt, der mich immer wieder verwirrt, der aber einen überraschend großen Einfluss auf den ökologischen Fußabdruck von Lebensmitteln hat: Es geht um die Abgrenzung von regionalen Produkten und Bio-Lebensmitteln, die aus einer ökologischer Erzeugung kommen.

Bio-Produkte und regionale Produkte: Der Unterschied

Regionale Produkte und Bio-Produkte sind klar zu unterscheiden. Denn die Produkte mit dem Bio-Siegel sind Teil eines Systems, das sich für den Bodenschutz und die Artenvielfalt stark macht. Der Nachhaltigkeits-Aspekt kann, muss aber nicht in einem direkten Zusammenhang dazu stehen.

Die regionalen Produkte aus dem Hofladen sind nur dann Bio-Produkte, wenn sie aus einen Bio-Betrieb kommen. Das klingt zunächst logisch. Was regionale Produkte sind, ist hingegen nicht klar definiert. Was Bioprodukte sind zeige ich dir. Oder du wirst selbst aktiv.

Denn wenn du auf Nummer sicher gehen willst, ob die verkauften Lebensmittel aus deiner Region auch Bio-Produkte sind, dann frage den Verkäufer am Stand oder im Hofladen einfach nach den Anbau- und Haltungsformen des Erzeugers. Und ob die Produkte auch direkt von dort kommen.

Sind Bio-Produkte besser für das Klima?

In der Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung aus Heidelberg wurde neben dem ökologischem Fußabdruck von regionalen Produkten auch der CO2-Abdruck von Durchschnitts-Produkten und Bio-Lebensmitteln untersucht. Hier die wichtigsten Ergebnisse der Studie:

  • Lebensmittel in Gläsern, Flaschen und Dosen verursachen nachweislich mehr CO2 als die gleichen Produkte ohne Verpackung
  • Obst aus Übersee verursacht durchschnittlich zwei bis dreimal so viel Treibhausgas wie das entsprechende saisonale Produkt aus der Region
  • Eine Ananas, die mit dem Schiff nach Deutschland kommt, verursacht doppelt so viel CO2 wie ein Apfel aus deiner Region, aber fünfzigmal so viel, wenn sie mit dem Flugzeug kommt
  • Der Fußabdruck von Bio-Produkten ist in vielen Fällen etwas schlechter als das CO2-Äquivalent von konventionellen Produkten

Beim Vergleich herkömmlicher Lebensmittel mit Bio-Produkten schnitten die tierischen Bioprodukte besonders schlecht ab. Beim Rindfleisch ist der Unterschied am größten. Um das zu verstehen, zeige ich euch, was Bio-Produkte genau kennzeichnet. Klarheit verschaffte mir das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE), das genau erklärt, was die Bio-Landwirtschaft in Deutschland ausmacht.

Was sind eigentlich genau Bio Produkte?

Das BZfE schreibt sinngemäß: „Das System der Bio-Produkte und damit das der Bio-Landwirtschaft sieht vor, dass möglichst wenig Nährstoffe und andere Hilfsmittel von außen dem System hinzugeführt werden.“ Das klingt erst mal abstrakt. Aber was bedeutet es für die Landwirt*Innen?

Für die Praxis bedeutet es, dass weder Düngemittel noch Pestizide beim Anbau eingesetzt werden dürfen. Und auch die eingesetzten Futtermittel für die Tiere dürfen nur aus einer ökologischen Erzeugung kommen. Seit Januar 2022 sogar zu 100 Prozent.

Wenn das Vieh bei vollständiger Bio-Fütterung gehalten wird und der Bauer seine Böden nicht mit chemisch-synthetischen Hochleistungsdünger düngt, sondern mit Mist, Gülle und pflanzlichen Kompost. Und wenn dann auch noch Ernteausfälle durch Schädlinge drohen, tja, dann muss der Landwirt die damit verbundenen Ertragsausfälle irgendwie ausgleichen.

Diesen Ausgleich erreichen die Bio-Landwirt*innen mit mehr Fläche und über diese müssen sie natürlich verfügen. Wenn für die erforderliche Flächenausdehnung Feuchtgebiete, Wälder und im schlimmsten Fall sogar Moore in landwirtschaftliche Fläche umwandelt werden, dann verschlechtert das die Ökobilanz der Bio-Produkte. Das heißt aber nicht, dass sie schlechter für das Klima sind.

Der Leiter der Studie zu den ökologischen Fußabdrücken Guido Reinhardt versichert in einem Artikel aus der taz vom 07.06.2020: „Die etwas höheren Emissionen werden durch den deutlich geringeren Pestizideinsatz, nachhaltigere Bodenbewirtschaftung und Erhöhung der Artenvielfalt mehr als wettgemacht.“ Das mehr an Fläche ist also gut, wenn Boden und Pflanzen weniger belastet werden.

Zwischenfazit: Welche Produkte sind für das Klima am besten?

Für mich sind Bio-Produkte aus diesen Gründen unschlagbar. Langfristig sind die Anbau- und Haltungsformen eines Bio-Betriebs für das Klima und die Tiere am besten. Vor allem die verbesserte Bodenqualität und der energieschonende Verzicht auf Düngemittel haben mich überzeugt.

Warum energieschonend? Wenn du mehr dazu wissen möchtest lies meinen Rant-Post über Ramschpreise. Dort erfährst du, wie sich die Energiekosten auf den Preis für Düngemittel auswirken und warum hohe Energiepreise unsere Lebensmittel teurer machen.

Wenn der Trend hoher Energiekosten weiter anhält, könnten die Preise für konventionell erzeugte Produkte sogar bis zu einem Punkt steigen, der konventionelle Anbau- und Haltungsformen unrentabler macht. Dann könnten Landwirt*innen und Verbraucher von der weniger energie-intensiven Biolandwirtschaft sogar profitieren. Das wird spannend! Und hoffentlich nicht zu teuer.

Regionale Produkte sind fair: Tipps für den Kauf

Reden wir über Fairness. Mit dem Kauf von regionalen Produkten in einem Hofladen geht dein Geld direkt zum Hersteller in deiner Region. So gestaltest du die Landwirtschaft aktiv mit und unterstützt eine bestimmte Anbauweise. Du sicherst Arbeitsplätze. Und du weißt ganz genau, woher und von wem das Gemüse und das Fleisch kommt. Aber die wenigsten haben Zeit, zum Hofladen zu fahren.

Verpackte Champignons mit dem Prüfsiegel des Regionalfensters
Siegel wie das von Regionalfenster geben dir Auskunft, wo das Lebensmittel herkommt und wo es abgepackt wurde, sie sagen aber nichts über die Qualität und Anbauform aus.

Wenn du dich trotzdem langsam zum regionalen, bewussten Konsum hoch leveln möchtest, dann gibt es ein paar Tipps, die dir dabei helfen. Denn neben Wochenmarkt und Hofläden bietet auch der Handel die Möglichkeit, regionale Produkte an allen Tagen in der Woche zu kaufen. Dabei helfen dir folgende Hacks beim Einkauf weiter.

  • Schau im Saisonkalender nach, was gerade frisch vom Feld kommt. Falls du keinen hast, kannst du gerne die Saisonkalender für Obst oder Gemüse von der Kohlsprosse herunterladen
  • Achte auf bestimmte Herkunftssiegel wie das Regionalfenster. Das gibt dir eine erste Orientierung, sagt allerdings nichts über die Qualität aus
  • Greife zu Produkten mit geschützten geografischen Angaben, wie zum Beispiel Nürnberger Lebkuchen (gelb-blaues, rundes Siegel)
  • Geschützte Ursprungsbezeichnungen helfen dir weiter. Deshalb kannst du sicher sein, dass Allgäuer Bergkäse auch wirklich aus dem Allgäu kommt (gelb-rotes, rundes Siegel)
  • Falls der Weg zum nächsten Hofladen zu weit ist, schau doch mal, ob es Erzeuger mit einem Lieferdienst in deiner Nähe gibt. Meistens kannst du sogar direkt über das Internet bestellen
  • Champignons und Kartoffeln haben das ganze Jahr Saison, hier gehst du auf Nummer sicher

Mach selbst den Faktencheck und schau beim nächsten Einkauf genau hin. Zum Beispiel beim TK-Gemüse. Da steht bestenfalls auf dem Etikett, dass die Lebensmittel in Deutschland hergestellt worden sind. Über die tatsächliche Herkunft der Lebensmittel sagt das aber nichts aus.

Doch das ist nur halb so schlimm, da der größte deutsche Hersteller von TK-Produkten mit Sitz in Bremerhaven nur von regionalen Erzeugern seine Produkte bezieht. Also viel Spaß beim nächsten Einkauf!

Bildquelle: Stijn-te-Strake / Unsplash


Triff den Autor

Seit Jörg feste Nahrung essen kann schiebt er am liebsten frisches Gemüse in sich rein und hat dabei jede Menge über gesunde Ernährung gelernt. Lerne mehr über Jörg und wie er zum Experten für New Food und Nachhaltigkeit wurde.

Schreibe einen Kommentar