Lebensmittelverschwendung: Malte, wir müssen reden!

In dieser Geschichte geht es um Lebensmittelverschwendung und ich will euch von Malte erzählen. Ihr kennt Malte? Bis jetzt wahrscheinlich noch nicht. Aber irgendeinen Malte kennt jeder. Dieser hier kommt Witten und macht seit zwei Jahren eine Ausbildung zum Industriemechaniker. Danach will er nach Wolfsburg ziehen und Elektroautos zusammenbauen.

Malte steht heute im Mittelpunkt meiner Story. Aber warum? Weil er Borussia Dortmund Fan ist und Dauerkarten für den Signal Iduna Park hat? Wohl kaum. Da liegt was im Argen und das ist schon fast gruselig. Der Grund: Die Hälfte seines Einkommens geht für verschwendete Lebensmittel drauf.

Letzte Woche sind 20 Joghurtbecher aus Plastik in seinem Hausmüll gelandet. In Großbuchstaben

Z-W-A-N-Z-I-G

Wollt ihr wissen, welche interessanten Lebensformen unser Spezialist beim Ausspülen der Becher gesehen hat? Besser nicht. Nur eins: Dagegen sehe ich appetitlich aus. Die Message ist angekommen. Er braucht einen Plan. Einen sehr guten Plan.

Logo von Jojo Kohlsprosse
Bildrechte: Jörg Ambro

Sein Ziel: Weniger Lebensmittel wegschmeißen und Geld sparen. Warum das gar nicht so leicht ist und wie ich Malte dabei geholfen haben, das erfährst du jetzt. Eine Bitte: Wenn du weitere Tipps zum Thema Lebensmittelverschwendung hast, dann schreibe sie in die Kommentare. Idealerweise ist das nicht nötig und du kennst am Ende die wichtigsten Life Hacks und wirst zum Pro.

Zahlen zur Verschwendung von Lebensmitteln

Aber zurück zu Malte. Wir müssen reden. Das Thema ist kein Fliegenschiss, weil es hier um eine gigantische Verschwendung von Ressourcen geht. Und diese Ressourcen kosten nicht nur meinen Hauptmieter Jörg, sondern uns alle immens viel Kohle. Jörg hat mir dazu ein paar Zahlen herausgesucht, die mich aus den Stiefeln gehauen haben.

Im Jahr 2018 gaben 4.900 Verbraucher*innen in einer Umfrage des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) an, dass 34 % des eingekauften Obstes und Gemüses im Müll landet. Wie sich die Verschwendung auf die einzelnen Lebensmittel verteilt, zeigt euch die nachstehende Infografik.

Nochmal in Großbuchstaben zum Genießen:

V-I-E-R U-N-D D-R-E-I-S-S-I-G P-R-O-Z-E-N-T

Da ist noch Luft nach oben, oder? Also, mit oben meine ich, da kannst du einiges einsparen und dir stattdessen ein Eis beim Italiener um die Ecke kaufen oder einen Haferdrink, oder. Ach, keine Ahnung. Wo wir gerade bei Milchprodukten sind. Von diesen werden nur 9 % weggeschmissen. Aber wozu eigentlich Milch?

Infografik mit Lebensmitteln, die trotz Genießbarkeit weggeworfen werden. (Quelle: BMEL)
Frisches Obst und Gemüse hält die Spitzenposition. Die Hälfte dieser Lebensmittel landet trotz Genießbarkeit im Müll. (Quelle: Statista/BMEL)

Außerdem wurde 2020 in einer Nachuntersuchung die Einstellung zum Containern untersucht, das eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz genießt.

In absoluten Zahlen, so gibt das BMEL an, werden jährlich rund zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel in Deutschland über die gesamte Wertschöpfungskette entsorgt. Der Großteil der Abfälle entsteht durch die privaten Haushalte. 52 % fallen dabei auf uns Verbraucher.

Der Rest verteilt sich auf die verarbeitende Lebensmittelindustrie, die Außer-Haus-Verpflegung, die Landwirtschaft und den Groß- und Einzelhandel. Interessant: Der Handel wirft mit 4 % am wenigsten weg. Das hatte ich vorher genau andersherum vermutet.

Zwischenfazit: Wir können eine ganze Menge gegen die Verschwendung von Lebensmitteln tun.

Gründe für Lebensmittelverschwendung

Laut einer Studie der GfK aus dem Jahr 2017 können wir als Verbraucher 44 % aller Lebensmittelabfälle vermeiden. Also etwa 5,3 Mio. Tonnen. In der Studie wurden auch die Gründe untersucht, warum die Lebensmittelabfälle entsorgt wurden.

  • Die Lebensmittel sind verdorben, schlecht geworden oder sehen einfach nicht mehr appetitlich aus (57,6 %)
  • Ich habe zu viel gekocht (18,2 %)
  • Die eingekauften Mengen übersteigen meinen Bedarf, Ursache dafür sind zu große Packungen, Sonderangebote und falsche Planung beim Einkauf (11,9 %)

Dabei spielt auch das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) eine Rolle. Allein 6,8 % aller vermeidbaren Lebensmittelabfälle werden laut der GfK-Studie entsorgt, weil das Datum überschritten ist. Die Studie eines bekannten Lebensmittelherstellers ergab sogar, dass ganze 35 % weggeworfen wurden, weil das MHD abgelaufen war. Zufällig produziert das Unternehmen auch Joghurts.

Die größte Pro-Kopf-Abfallmenge fällt dabei auf 1 Personenhaushalte wie dem von Malte. Doch genug rumgehackt auf den armen Kerl. Unabhängig von der Haushaltsgröße werfen Jüngere mehr vermeidbare Abfälle weg als Ältere. Bei den Singles sind vor allem die eingekauften Mengen Grund für die Verschwendung. Deshalb bin ich direkt zu Malte rüber und habe ihn gefragt, was da los ist.

Infografik mit Gründen, warum Lebensmittel weggeworfen werden (Quelle: Danone/Statista)
Viele Verbraucher sind unsicher, ob ein Produkt noch frisch und genießbar ist. (Quelle: Danone/Statista)

Malte rümpft die Nase. Zieht eine Augenbraue hoch und grinst mich blöde an. Dann schießt es aus ihm raus.

„Okay. Die Sache mit den Joghurts. Also, daran war ein Sonderangebot schuld. Das war Bombe. 19 Cent statt 89 Cent, was würdest du denn machen?“

„Ich esse keinen Joghurt, mein Magen, weißt du“, war meine Antwort.

Als wir dann weiter über die letzten Einkäufe sprachen wurde mir klar, dass nicht nur sein „billig-will-ich“ Grund für den Berg seiner Lebensmittelabfälle ist, sondern auch die Verpackungsgrößen im Handel. Kalkül? Den Herstellern ist nicht entgangen, dass fast 33 % der Deutschen einen Ein Personen-Haushalt führen. Das ist sicher.

Deshalb aufgepasst. Abgepackte und frische Produkte sind häufig in Großpackungen erhältlich. Viele sehen sich deshalb gezwungen, mehr zu kaufen als sie eigentlich brauchen. Was hinzu kommt: Multi-Packs sind oft günstiger als Einzelprodukte. Auch hier greift Malte gerne mal hin.

„Ist billiger als die Einzelverpackung“, flüstert er mir überlegen zu und zieht die zweite Augenbraue hoch.

Okay. Malte hat also die Voll-Checke. Schon klar. Zeit für ein paar Tipps, die ihm wirklich helfen.

Die 4+6 wichtigsten Regeln zum Vermeiden von Lebensmittelabfällen

Lebensmittelabfälle reduzieren ist kein Voodoo. Du musst ein paar Sachen beachten und diese in deinen Alltag einbauen. Das wars. 10 goldene Regeln stelle ich vor. Dabei kannst du die Regeln gerne variieren. Statt eines oldschooligen Einkaufszettels nimmst du zum Beispiel eine App.

Besonders bei der Resteverwertung sind deiner Kreativität keine Grenzen gesetzt. Oft entstehen dabei völlig neue Rezepte. Schreib dein Lieblings-Restegericht doch einfach in die Kommentare. Papatastisch! Und jetzt aufgepasst.

Einkäufe richtig planen

  1. Einkaufszettel benutzen: Zunächst ein kurzer Blick in den Kühlschrank und in deine Vorräte. Dann DIE drei Fragen: Will ich kochen? Was fehlt? Kommt Besuch? Check. Jetzt weißt du, was du brauchst und der Einkaufszettel ist rasch ausgefüllt.
  2. Dir Zeit nehmen: Im Supermarkt sind die überfüllten Regale, die Sonderangebote und die Aufsteller mit Aktions-Produkten kaum zu übersehen. Nimm dir ausreichend Zeit. Vergleiche in Ruhe Preise und Qualität. Und nimm nur das, was du brauchst.
  3. Packungsgrößen checken: Kleine Packungen sind preisgünstiger als Großverpackungen? In der Endabrechnung schon. Weniger Plastik schont unseren Planeten und es landet meist weniger in der Tonne. Rechne mal durch, ob es sich für dich lohnt.
  4. Reduzierte auslaufende Ware kaufen: Du hast für heute Abend noch nichts im Kühlschrank? Sei Einkaufs-Held*in, hilf dem Handel und achte auf reduzierte Frischware. Der Vorteil: Du sparst Eddies und bist für ein paar Minuten umweltbewusst wie Greta Thunberg.

Richtig Lagern, Kühlen und Verwerten

  1. Richtig kühlen und frisch halten: Zur Erinnerung. Im Kühlschrank gehört Wurst ins obere, Käse ins untere Abteil. Gemüse landet unverpackt ganz unten. Mein persönlicher Tipp: Wurst und Käse halten nach dem Öffnen in extra Frischhalte-Folie oft ein paar Tage länger.
  2. Gut lagern: Längst nicht alles gehört in den Kühlschrank. Eine Übersicht zeigt dir die Tabelle. Wichtig ist, dass du außerdem angebrochene Konserven umfüllst und schnell verbrauchst und angebrochene Verpackungen in luftdichten Behältern nicht zu lange aufbewahrst.
  3. Haltbarkeit beachten: Der Joghurt ist zwei Tage über dem Mindesthaltbarkeitsdatum? Jetzt sind deine Sinne gefragt. Aufmachen! Sieht gut aus und riecht auch so? Dann ist der Joghurt essbar. Aber: Ist das Verbrauchsdatum von Fisch und Fleisch überschritten, sollte das Produkt nicht mehr gegessen werden. Die Lösung. Es kann problemlos den Biomüll.
  4. Regelmäßig kontrollieren: Die wenigsten haben einen smarten Kühlschrank oder Brot und Obst, das sich meldet, sobald es anfängt zu leben. Entdecke den Kontrolletti in dir und vermeide Schädlinge, die auf andere Lebensmittel in der Wohnung übergreifen können.
  5. Reste verwerten: Das ist für mich die wichtigste Regel, denn alles Gerettete und Verkochte muss irgendwie verwertet werden. Hier hilft etwas Erfahrung im Umgang mit Resten. Wer ein Tiefkühlfach hat ist klar im Vorteil und kann sich im Meal-Prepping versuchen. Das ist superpraktisch, weil du durch das Vorkochen später viel Zeit sparst.
  6. Maßvoll bestellen: Du sitzt im Restaurant. Die Portionen erschlagen dich und der zweibeinige Resteverwerter neben dir streikt? Dann lass dir die Essensreste im Doggie-Bag einpacken. Den kannst du mit nach Hause nehmen und später vernaschen, wenn der Hunger zurück ist. Den Doggie-Bag meinte ich, nicht den Zweibeiner.
LagerformGemüseObst
Lagern im Gemüsefach des KühlschranksArtischocken, Blattgemüse, Blumenkohl, Brokkoli, Chicorée, Endivie, Erbsen, Gewürzkräuter, (kein Basilikum), grüne Bohnen, Lauchzwiebeln, Kohl, Lauch, Möhren, Pilze, Radieschen, Rettich, Rote Bete, Salat, Salatmischungen, Sellerie, Spargel, Spinat, SüßmaisÄpfel (länger als 7 Tage), Aprikosen, Brombeeren, Erdbeeren, Feigen, Heidelbeeren, Himbeeren, Kirschen, Trauben
Reifen im Zimmer und Lagern im KühlschrankAvocado, Birne, Kiwi, Nektarine, Pfirsich, Pflaumen, Zwetschgen
Lagern vorzugsweise bei Raumtemperatur*Aubergine, Basilikum (Bundware, in Wasser gestellt), Gurke, Ingwer, Kartoffeln**, Knoblauch**, Lagerzwiebeln**, Paprika, Tomaten, ZucchiniAnanas, Apfel (weniger als 7 Tage), Banane, Grapefruit, Mandarine, Mango, Orange, Papaya, Melone, Wassermelone, Zitrusfrüchte
* Alle aufgeführten Obst- und Gemüsearten können 1-3 Tage im Kühlschrank gelagert werden, wenn sie danach rasch verbraucht werden. ** Knoblauch, Zwiebeln, Kartoffeln sollten in einem gut gelüfteten Raum, am besten im Keller gelagert werden. (Quelle; Bundeszentrum für Ernährung)

Im Grunde ist das schon alles. Die Frage ist, ob bewussteres Einkaufen und richtiges Lagern Malte dabei hilft, seine Lebensmittelabfälle zu reduzieren. Ich war neugierig auf das Ergebnis. Letzte Woche bin ich dann wieder zu ihm rüber, um zu schauen, wie die Lage ist.

Showdown mit Malte

Wir sitzen in seiner Küche. Ich auf dem Tisch, damit er mich sieht, er auf einem uralten Küchenhocker. Malte schaut mich skeptisch an. Im Hintergrund summt leise der Kühlschrank.

„Kohlsprosse, merkst du was?“

„Äh, nö!“

„Energieklasse 1-A!“

Jetzt fiel mir auf, dass der Kühlschrank neben der Spülmaschine ziemlich neu aussieht. Ich zog intuitiv meine Mundwinkel hoch und versuche zu lächeln.

„Herzlichen Glückwunsch Malte, war dein alter Kühlschrank kaputt?“

Malte atmet schwer durch. Einen Augenblick hatte ich Bedenken, was in seinem Kopf vorgeht. Als sprechender Brokkoli wäre eine direkte Auseinandersetzung mit ihm verheerend.

„Also, du Schlaumeier…“, er zieht seine Augen zusammen, „die 10 Anti-Schimmel-Regeln, die sind ja nicht schlecht. Aber wenn das Thermostat im Kühlschrank kaputt ist, hilft das wenig.“

Ich zuckte mit den nicht vorhandenen Schultern, zog mir den Stiefel des Vorwurfs aber nicht an. Stattdessen gratulierte ich ihm und fragte, ob er schon ein paar Tipps und Regeln umgesetzt hat.

Ja, er würde jetzt auf jeden Fall bewusster einkaufen. Und ja, er kocht jetzt mehr als früher, weil seine Freundin das gut findet und dann auch mal länger bleibt. Okay, du Schwerenöter. Dann wird das ja anscheinend noch etwas mit dir.

Mit einem Schmunzeln verlasse ich seine Wohnung. Also, wenn das mit dem Welt-Retten so einfach wie bei Malte ist, dann kann ich jetzt guten Gewissens nach Hause gehen und Jörg erzählen, dass noch Hoffnung besteht. Und wenn auch ihr mitmachen wollt, papatastisch! Mehr zum Thema Nachhaltigkeit erfährst du in diesem Artikel.

Jojo, die Kohlsprosse mit Globus, den er hochhält
Jojo mag ein wenig größenwahnsinnig sein, wie ihr seht, aber wenn es Malte hilft. Warum nicht? (Bildrechte: Jörg Ambro)

Bildquelle: Ello/ Unsplash

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